Dezember 1993
Im Winter 1993/1994 fanden sich erstmals die späteren
Vereinsgründer zusammen. Sie waren betroffen von den
Lebensumständen obdachloser Menschen auf den Straßen
unserer
Stadt, wie sie sehr plastisch in einer Artikelserie „Obdachlosigkeit
in Köln“
des Kölner Stadtanzeigers geschildert wurden. Aus der
Betroffenheit folgte der Impuls zu helfen und sich für und mit
obdachlosen Menschen zu engagieren. An die Gründung eines
Vereins
dachte damals niemand.
Juli 1994
Erst auf Anregung eines Vertreters des Wohnungsamtes der Stadt
Köln, wonach die Stadt Köln mehr Wohnraum
für obdachlose
Menschen bereitstellen könnte, wenn es mehr Träger
der freien
Wohlfahrtspflege gäbe, gründeten diese
Kölner
Bürgerinnen und Bürger im Juli 1994 den Verein
Bürger
für Obdachlose e.V
Suppenküche am Appellhofplatz
1994
Als erstes beteiligte sich der Zusammenschluss Kölner
Bürgerinnen und Bürger und der spätere
Verein
Bürger für Obdachlose mit vier anderen sozial
engagierten
Vereinen an der Suppenküche am Appellhofplatz. In den
vorausgegangenen Jahren hatte sich dort ein Treffpunkt für
Obdachlose entwickelt. An vier Werktagen wurde abends ab 21:00 Uhr eine
warme Mahlzeit, Getränke, Brot und Obst verteilt und
gleichzeitig
ambulante medizinische Hilfe geleistet. Der Verein übernahm in
zwei Gruppen den Montagabend und kochte bei der emmaus-Gemeinschaft
Eintöpfe, Nudelgerichte, Kaffee und Tee für
ungefähr 70
bis 100 Personen. Anfangs brachten wir noch Schlafsäcke und
warme
Kleidung mit, so versuchten wir, die Not der Menschen etwas zu lindern
und ihr Bedürfnis nach Begegnung und Gemeinschaft zu
befriedigen.
Einige weitere aktive Mitglieder ermöglichten neue Projekte:
Ein
Frühstück am Sonntagmorgen mit belegten Broten,
gekochten
Eiern und warmen Getränken. Andere organisierten
Weihnachtsfeiern
am dritten Advent mit selbstgebackenen Leckereien. Mit diesen Projekten
und der großen Unterstützung durch die
emmaus-Gemeinschaft
gelang es uns, Kontakte zu Obdachlosen und ihren Problemen zu finden.
2006
Auch heute besteht die Suppenküche am Appellhofplatz weiter
und
drei Vereine (Bürger für Obdachlose e.V., emmaus
Gemeinschaft
in Köln e.V., Katholische Arbeitnehmerbewegung Nippes) warten
montags, mittwochs, donnerstags und freitags mit Eintöpfen,
Nudelgerichten, Obst und warmen Getränken auf. Mittlerweile
hat
sich der Appellhofplatz an diesen Abenden zu einem szenenahen
Treffpunkt von Obdachlosen, Wohnungslosen und Bedürftigen
untereinander und mit engagierten Bürgern entwickelt.
BfO-Wohnprojekte
Dezember
1994
Das am 1. Dezember 1994 in Verbindung mit dem Wohnungsamt der Stadt
Köln gegründete Wohnprojekt stellte den ganz
praktischen
Versuch dar, zusammen mit obdachlosen Menschen eine Änderung
ihrer
allgemeinen Lebensumstände zu beginnen.Zunächst
nutzte unser
Verein in der Zeit von Dezember 1994 bis Oktober 1997 zwei kleine,
für den Abriss bestimmte Häuser in der
Frohnhofstraße
in Köln-Ossendorf zur Unterbringung von bis zu 8 Personen.
Insgesamt neun vormals obdachlose Männer konnten hier
untergebracht werden.
November
1997
Nach den in Köln-Ossendorf gemachten guten Erfahrungen des
Wohnprojektes beschloss der Verein, auch nach dem Abriss der
Häuser in Ossendorf das Wohnprojekt weiterzuführen.
Nach
intensiven Bemühungen gelang es, ab November 1997 in der
Genovevastr. 6 in Köln-Mülheim ein viergeschossiges
Wohnhaus
anzumieten, mit einer Monatsmiete in Höhe von 7.000 DM.
Erdgeschoss und erste Etage wurden in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt
der Stadt Köln und einem weiteren Träger zur
Unterbringung
von Müttern mit Kindern genutzt. Die weiteren Etagen dienten
dem
Wohnprojekt des Vereins und boten Platz für bis zu 14 Personen.
Neben dem Bemühen um Unterbringung obdachloser Menschen wurden
die
Bewohner des Wohnprojektes in Begleitung von Vereinsmitgliedern
angehalten, ihre persönlichen Angelegenheiten zu ordnen
(Papiere,
Versorgung durch das Sozialamt usw.). Darüber hinaus
bemühte
sich der Verein in Zusammenarbeit mit dem Wohnungsamt, den betreffenden
Personen bei der Suche und Vermittlung von
Dauerwohnverhältnissen
behilflich zu sein.
Insgesamt wurden seit Bestehen des Wohnprojektes 37 Personen vom Verein
untergebracht und zum größeren Teil in eigenen
Wohnraum
vermittelt.
2002
Das Wohnprojekt in Köln-Mülheim erforderte die
gleichzeitige
Betreuung von 13 Personen, deren Sorgen und Probleme wir uns intensiv
annahmen. Neben einer starken Herausforderung erforderte dies einen
großen Personaleinsatz, den der Verein auf Dauer nicht
leisten
konnte.
2006
Im März 2006 beschloss der Verein, auf Perspektive wieder ein
Wohnprojekt für obdachlose Menschen in Angriff zu nehmen.
Sobald
der Verein über die ausreichenden finanziellen Mittel
verfügt, soll geeigneter Wohnraum angemietet werden.
Darüber
hinaus will der Verein interessierte wohnungslose Menschen bei der
Beschaffung von eigenem Wohnraum unterstützen und ihnen
betreuend
und im Einzelfall auch finanziell helfen.
BfO-Arbeitsprojekte
September
1996
Wir machten schnell die Erfahrung, dass das Problem
„Obdachlosigkeit“ mit der Unterbringung nur
vordergründig gelöst ist. Die Unterbringung in
eigenen
Wohnraum allein eröffnet noch keine weitergehenden
Perspektiven,
da der lebensgestaltende Faktor „Arbeit“ fehlt. Aus
diesem
Grund begannen wir 1996 damit, ein Arbeits- und
Beschäftigungsprojekt aufzubauen, welches versuchte, die
besondere
Situation obdachloser Menschen zu berück-sichtigen.
Inhaltlich hatten wir uns mit diesem Arbeitsprojekt ein hohes Ziel
gesteckt: Es sollte einerseits eine
„Trainingsfunktion“
ausüben, andererseits ein erster Schritt zu einer
Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess sein.
Zu diesem Zweck hatte der Verein seit September 1996 eine Lagerhalle in
der Düsseldorfer Str. 139 in Köln-Mülheim
angemietet.
Mit einem vereinseigenen LKW wurden bei Wohnungsauflösungen,
Entrümpelungen usw. Gebrauchtwaren gesammelt und in dieser
Lagerhalle sortiert und gelagert. Der Vorteil dieser Art der Arbeit
ist, dass sie einerseits ohne große Vorkenntnisse
ausgeübt
werden kann, andererseits so vielgestaltig und flexibel ist, dass wir
darin den unterschiedlichsten Fähigkeiten und
Möglichkeiten
der bei uns Beschäftigten gerecht werden können.
Januar 1997
Im Januar 1997 eröffnete der Verein in der Lagerhalle in
Mülheim ein Gebrauchtwarenkaufhaus, das BasisLager, in dem
Möbel, Hausrat, Kleider, Bücher und vieles mehr von
Jedermann
erworben werden konnten. Wir sahen darin die Möglichkeit, die
entstehenden Kosten zu finanzieren und gegebenenfalls langfristig sogar
Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitsplätze wurden
zu einem
Teil über das Programm „Hilfe zur Arbeit“
(HzA) des
Sozialamtes der Stadt Köln, über das Arbeitsamt und
zum
anderen Teil aus Mitteln des Vereins finanziert. Insgesamt fanden im
Laufe des Jahres 1997 14 Personen Beschäftigung und Arbeit in
unserem Arbeitsprojekt, wovon zwei nach einiger Zeit eine feste
Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt fanden.
2000
Seit 1999 verschlechterten sich für den Verein die
Rahmenbedingungen: Im Zuge städtischer Sparmaßnahmen
wurden
frei werdende Stellen im Programm „Hilfe zur
Arbeit“ nicht
wieder besetzt und der Verein verfügte erst seit 2000
über
finanzielle Mittel, einige Arbeitsplätze selbst zu
finanzieren. So
waren Anfang 2001 insgesamt acht Mitarbeiter im BasisLager
Düsseldorfer Str. 139 beschäftigt: drei vom Verein
finanzierte Stellen (zwei Projektleiter, ein Fahrer) und fünf
HzA-Stellen für ehemals Obdachlose und
Sozialhilfeempfänger.
Juli
2002
Im Frühsommer 2002 kam überraschend die
Kündigung
für die Lagerhalle in der Düsseldorfer
Straße in
Köln-Mülheim und der Verein war gezwungen, sehr
kurzfristig
einen adäquaten Ersatz zu finden. Nach vielen und langwierigen
Bemühungen fanden wir hier in Köln-Bickendorf eine
neue
Halle, die den Anforderungen für ein Secondhand-Kaufhaus
entsprach, aber die Mietkosten um das Vierfache anstiegen
ließ.
Infolge dieser hohen finanziellen Belastung und der Notwendigkeit, den
Spender- und Kundenkreis am neuen Standort Silcherstraße
völlig neu aufbauen zu müssen, konnte der Verein
seine
Aktivitäten nur darauf lenken, dass die Einnahmen aus
Dienstleistungen und Verkauf so anziehen, dass damit zumindest die
laufenden Mietkosten gedeckt werden können.
Oktober
2005
Mit den in das Sozialgesetzbuch II eingearbeiteten sogenannten
Hartz-IV-Gesetzen vermittelt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) der
Sozialämter und der Arbeitsagentur für Arbeit
Arbeitslosengeld-II-Bezieher in Arbeitsgelegen-heiten mit
Mehraufwandsentschädigung (Integrations- bzw. 1-Euro-Jobs).
Seit
Oktober 2005 werden über den Verbund gemeinnütziger
Kölner Möbellager e.V. Arbeitslosengeld-II-Bezieher
an den
Verein vermittelt. Die Einbindung von Integrationsjobs nach SGB II in
das Arbeitsprojekt führt zu einer für den
Selbsterhalt des
Vereins dringend erforderlichen Aufstockung an Mitarbeiter zur
Bewältigung der Arbeitsbereiche Transport, Werkstatt und
Verkauf.
Darüber hinaus können so neue Arbeitsfelder wie
E-Commerce
oder Öffentlichkeitsarbeit erschlossen werden, die dazu
beitragen
sollen, dass die wirtschaftliche Entwicklung des Vereins nachhaltig
positiv verläuft und so ein neues Wohn- und
Beschäftigungsprojekt für obdachlose Menschen auf
Perspektive
aus Vereinsmitteln bestritten werden kann. Im Zuge des § 16
SGB II
(Integrations-/1-Euro-Jobs) bietet der Verein Arbeitsangebote
für
Wohnungs- und Obdachlose an und hält so provisorisch das
BfO-Arbeitsprojekt aufrecht.
Januar
2007
Zum Jahresanfang 2007 konnten wir unser Vertriebsspektrum erweitern.
Nun sind wir auch im Online-Markt E-Bay zu finden. Unter dem
Verkäufer-Namen "buerger_fuer_obdachlose"
versuchen wir verstärkt auch dort Verkäufe
erfolgreich
durchzuführen. Das rege Interesse an unseren eingestellten
Artikeln machte es uns leicht bei dieser Entscheidung zu bleiben. Nach
kurzer Zeit war es nötig, ein zweites Konto unsere sogenannte
"Bücherecke"
zu eröffnen um so die Übersicht erhalten zu
können.
Intern bedeutete dies auch gleichzeitig eine Erweiterung unseres
Basislagers um einen Arbeitsplatz in der E-Commerce Abteilung



